Freitag, 16. November 2012

Muss der Sockel geräumt werden?



„Schneller, lauter, billiger“ klagt der Medienwissenschaftler Bernhard Pörksen über das Publizieren in der digitalen Mediendemokratie. „Die Journalisten werden in der digitalen Empörungsdemokratie von ihrem Sockel gestossen“, stimmt der ZDF-Chefredakteur Peter Frey ins Klagelied mit ein. Die Leitmedien verlieren zu Gunsten der Meinungsmacht der vielen. Somit würde die klassische Gatekeeper-Funktion der Medien langsam verschwinden. Dem widerspricht der stellvertretende Chefredakteur der Bild-Zeitung, Nikolaus Blome: „Tageszeitungen und ihre Onlineportale würden zusammen noch höhere Reichweitenzahlen erreichen“.
Die meisten Themen würden unter dem Blickwinkel des Moralischen beurteilt, so Pörksen weiter. „Politik verkomme zur Unterhaltung“, schätzt der ehemalige bayrische Ministerpräsident Edmund Stoiber ein. Taz-Chefredakteurin Ines Pohl meint, dass Journalisten von der „Weisheit der Vielen“ aber durchaus profitieren könnten. Neue Protagonisten stärken die Basisdemokratie mit neuen Themen. Trotzdem müssten Medienmacher ihr Tun vermehrt selbstkritischer begleiten, lautet ein Fazit. Ganz nach dem Grundsatz: „Je gründlicher, desto weniger skandalös“.

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